„Wenn Jemand 14 Jahre mit einem Hund lebt, dann wird er Teil seiner Biografie“ – sagt Theologe und Tierethiker Prof. Peter Kunzmann

Wie sieht ein Theologe und Tierethiker das Thema Tierbestattung…?

Hierzu habe ich heute einen sehr spannenden Artikel auf domradio.de gelesen.

Professor Peter Kunzmann der Tierärztlichen Hochschule Hannover ( https://www.tiho-hannover.de/ ) wirbt für mehr Sensibilität gegenüber den Tierhaltern, wenn es um den Abschied und die Trauer um das verstorbene Haustier geht. Gemeinsam mit Marion Schmitt hat Prof. Kunzmann hierzu kürzlich das Buch „Nicht nur dein Tier stirbt“ veröffentlicht. Dieses kannst du unter folgendem Link auf Amazon bestellen: https://amzn.to/34FwJC0  

Sein Buch beschreibt Erfahrungen von Tierhaltern, Tierärzten und Tierheim-Mitarbeiter. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erklärt Projektleiter Peter Kunzmann, warum das Thema auch die Kirchen betrifft.

Die Kernfragen die sich Professor Kunzmann stellt sind die folgenden:

Wer entscheidet über die schwierige Frage zu Leben und Tod von Tieren?

Was macht der Tod des Tieres mit den Menschen?

 

Zur Antwort auf die erste Frage erläutert der Professor, dass auf der einen Seite der Tierhalter, der entscheiden darf und auch muss zu betrachten ist. Und auf der anderen Seite der Tierarzt, der auf Grundlage seiner Expertise den Tierhalter beraten muss. Seinen Ergebnissen nach ziehen sowohl Tierhalter, als auch Tierarzt die Entscheidung gerne an sich. Beide sind sich also häufig ihrer Verantwortung sehr bewusst.

 

Die Beantwortung der zweiten Frage fällt wesentlich umfangreicher aus. Denn laut Prof. Kunzmann hängen beide Fragen miteinander zusammen. Die Bedeutung des Todes des Haustieres läuft äußerst individuell ab. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Bestattungskultur für Tiere sehr vielfältig ist.

Der „Handelswert“ eines Tieres spielt dabei übrigens eine untergeordnete Rolle. In Gesprächen mit Nicht-Tierhaltern ist häufig zu hören, dass es sich doch gar nicht lohnt, eine aufwändige Bestattung „nur“ für eine Katze durchzuführen. Herr Kunzmann berichtet in diesem Zusammenhang von einem Gespräch mit einem Leiter eines Tierkrematoriums, der seinen ersten aus der Tierasche gepressten Diamanten für ein verstorbenes Kaninchen erstellt hat. Es geht hier um das ewige Andenken das der Mensch von seinem Tier behält. Mit anderen Worten, es geht um das Erinnern, was ja auch Kern der Animal Tree Idee ist.

Die Studien von Prof. Kunzmann haben noch ein weiteres sehr interessantes Ergebnis erzielt. In einer Befragung durch die Tierärztliche Hochschule Hannover https://www.tiho-hannover.de/ haben 92 % der Befragten angegeben, dass sie ihr Haustier als vollwertiges Familienmitglied betrachten. Ein schier unfassbar hoher Wert, der jedoch beschreibt, warum die Trauer bei Tierhaltern so groß ist. Wer kein Tier hat kann sich das nicht vorstellen und neigt dazu in Schemata zu denken: Es fallen Aussagen, wie „Es war doch nur ein Kaninchen.“ Wer jedoch versteht wie eng die Beziehung von Mensch und Tier zu Lebzeiten war, der wird den Schmerz des Abschieds nachvollziehen können.

In diesem Zusammenhang möchte ich ein Zitat von Herrn Prof. Kunzmann herausstellen: „Man stellt sich vor: Wenn jemand 14 Jahre mit einem Hund zusammenlebt, wird er Teil des Alltags und der Biografie – und reißt eine Lücke, wenn er geht…“

Ich glaube, dass diese Aussage den Nagel auf den Kopf trifft. Und genau deshalb ist es so wichtig die Trauer Anderer zu respektieren und deren Gefühle ohne Bewertung anzuerkennen.

Als Theologe äußert sich Prof. Kunzmann auch zum brisant wie spannenden Thema, der Rolle der Kirchen. Tiere sind nicht selten auch Seelsorger. Man denke nur an die Alten und Kranken in unserer Gesellschaft. Nach Meinung von Prof. Kunzmann gibt es hier einen gewissen Nachholbedarf der Kirche.